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Die Neuentdeckung der unterirdischen Schönheit der Belaer Tatra (Belianske Tatry)

1. Schauhöhle in der Hohen Tatra.

Das Geheimnis der Höhlen und die unbekannte Welt, die jenseits des Tageslichtes hinter jedem Höhleneingang verborgen ist, stellt für die Menschen schon seit Urzeiten einen besonderen Reiz dar und hat sie in ihren Bann gezogen. Die unterirdische Welt zu erforschen ist seit prähistorischen Zeiten ein menschliches Bedürfnis und ist in gewisser Weise dem modernen Menschen, und ganz besonders den Höhlenforschern zu eigen. Angefangen bei der alten Taschenlampe bis hin zur Hightech LED-Lampe, hat der Mensch stets einen Weg gefunden, Licht ins Dunkel der Höhle zu bringen um damit ihre verborgenen Schätze zum Vorschein zu holen.

Die spektakuläre Landschaft der Hohen Tatra ist weltberühmt, ihre unterirdische Welt ist jedoch weniger bekannt. Von allen Höhlen, die sich in der Hohen Tatra befinden, wurde nur eine als Schauhöhle ausgestattet. Die Belaer Tropfsteinhöhle ist die Höhle, in der der Besucher alle Erwartungen bezüglich der unterirdischen Welt dieses Gebirges erfüllt sieht.

Die Belaer Tropfsteinhöhle befindet sich innerhalb des Nationalparks Tatra, im Ostteil der Belaer Tatra und wurde im Jahr 1882 erstmals für Besucher geöffnet. Die erste elektrische Beleuchtung wurde 1896 installiert und in den Jahren 1950 und 1980 wurden wesentliche Veränderungen durchgeführt. Aufgrund des 1.370 m langen Fußwegs und des Höhenunterschieds von 125 m stellt die Belaer Tropfsteinhöhle für jedes Bauprojektteam, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Infrastruktur zu verbessern oder zu verändern, eine ziemlich große Herausforderung dar.

2. Warum eigentlich LED-Beleuchtung?

Da LED-Lampen immer größeren Einsatz finden, haben Höhlen-Manager auf der ganzen Welt begonnen, ältere Systeme mit Glühbirnen abzuschaffen und durch LEDs zu ersetzen. Die Slowakische Höhlenverwaltung (Slovak Caves Administration „SSJ“) war aufgrund einiger in der Nähe gelegenen Schauhöhlen gegenüber der LED-gestützten Lichttechnik zunächst skeptisch. Trotzdem beschloss die SSJ im Jahr 2012  nach einigen positiven internationalen Berichten die LED-Beleuchtungskörper von Cave Lighting™ in der Belaer Tropfsteinhöhle zu testen. Es war ein langer und schwieriger Weg, angefangen von der Idee, die gesamte Belaer Höhle mit LED-Leuchten auszustatten bis zum Beginn der Installation dieser Leuchten. Es erforderte eine Menge Planungsarbeit, um die Anlage für Höhlenbesucher zu verbessern. Nach und nach wurden die auf Papier festgehaltenen und in Akten gesammelten Ideen realisiert und es entstand ein Projekt, das im Laufe der Zeit die Belaer Tropfsteinhöhle zu einer Schauhöhle werden ließ.

Es war zunächst geplant, die eigentlich erforderliche Arbeit im Januar 2015 mit einer Alte Untervertseiler und ElektroschrottViermonatsfrist zu beginnen. Um das Projekt erfolgreich fertigzustellen‚ mussten während dieser Zeit einige Teams verschiedener Unternehmen zusammenarbeiten und ihre Arbeitsaufgaben aufeinander abstimmen. Ihre Aufgaben? Zuerst mussten sämtliche alten Installationen (Geländer, Schaltschränke, Stromversorgungskabel, Lampen und Kommunikationsgeräte) aus der Höhle entfernt und anschließend die neuen Ausrüstungsteile installiert werden.

3. Verschneite begin der Installation.

Das Cave Lighting™ Team kam im Februar 2015 in die Belaer Schauhöhle und war von den laufenden Arbeiten positiv beeindruckt. Der vom Parkplatz zur Höhle verlaufende 1 km lange Weg, der einen Höhenunterschied von 120 m aufweist, war schneebedeckt und nur zu Fuß erreichbar. Im Innern der Höhle bot sich gegenüber den vormals stillen Sälen, in denen lediglich tropfendes Wasser zu hören war, ein völlig neuer Anblick. Menschen arbeiteten in Teams, wie die Ameisen – sie waren am Schneiden, Schweißen, Graben… eine Endlos-Baustelle. Ein paar neue Geländer waren bereits angebracht, Haupt-Kabelschächte  geöffnet, Kabelrollen und Kästen mit neuen Ausrüstungsgegenständen an verschiedenen Plätzen gelagert worden.

Zwei Generalunternehmer waren in die Arbeiten vor Ort eingebunden: einer zur Konstruktion des Edelstahlgeländers und der Andere für die Elektro-Arbeiten (BBF-Elektro). BBF ist eine slowakische Firma, die für sämtliche, für die Erneuerung der Belaer Höhlenbeleuchtung sowie für die Kommunikation innerhalb der Höhle erforderlichen elektrischen Arbeiten verantwortlich ist. Die Lichtgestaltung war in der Planungsphase gemeinsam von SSJ und der lokalen Höhlenverwaltung fertig gestellt worden. Sie beinhaltete  u. a. eine nützliche Auflistung von Lampen, deren Licht es möglich macht‚ weiße Akzente des Gesteins hervorzuheben. Dadurch konnte auch die Höhle in ihrer geologischen Komplexität verbessert und damit aufgewertet werden.

Vor Arbeitsbeginn wurden einige Teams entsprechend der zu erledigenden Aufgaben zusammengestellt. Es war wichtig, für die am Projekt beteiligten und unterschiedlichen Nationalitäten angehörenden Menschen ein gemeinsames Kommunikationsmittel zu schaffen. Es stellte sich heraus, dass eine gemeinsame Sprache nicht ausreichte - daher musste auf Slowakisch, Englisch, Russisch und Deutsch kommuniziert werden. Zuerst wurde das als Belastung empfunden, doch es stellte sich heraus, dass Professionalität nicht von Sprache abhängt.

4. Cave Lighting™ LED System für die Belaer Tropfsteinhöhle.

Die ersten Beleuchtungskörper wurden zwischen dem sogenannten Hohen Dom (High Dome) und dem Palmensaal (Palm Hall) installiert. Da in diesem Teil der Höhle die ältere Beleuchtung durch LED-Lampen ersetzt wurde, entstanden verschiedene  Ansichten. Unterschiedliche Menschen, unterschiedliche Meinungen, wobei die maßgeblichen Ansichten oftmals diejenigen der in der Höhle arbeitenden Tourenführer waren. Der Versuch‚  etwas zu verändern, das jahrelang fester Bestandteil der Höhle war, war nicht einfach. Demzufolge war der erste Eindruck des Höhlenführers nicht gerade positiv, wie so oft, wenn es um die Erneuerung der Beleuchtung in Schauhöhlen geht. Es fielen Worte wie „Es ist nicht so wie vorher“, „Es ist ganz anders als…“, „Sieht gut aus, aber…“. Die Höhlenführer spielten sodann eine wichtige Rolle bei der Platzierung der Beleuchtungskörper und wiesen auf die entscheidenden Tropfsteine, Vorhänge und legendären Stellen der Höhle hin.

Die Belaer Tropfsteinhöhle ist zurzeit logisch in acht Beleuchtungszonen unterteilt, die unabhängig voneinander ein-/ausgeschaltet werden können, davon zwei Lichtshow-Zonen mit jeweils unterschiedlichen Lichtszenen und einer Musik-Lichtzone, dem Musiksaal. Im Musiksaal wurden drei Musik-Lichtshows durchgeführt, bei denen Klang und Licht sanft aufeinander abgestimmt sind. Darüber hinaus wurde eines der Lieder in der Höhle komponiert - durch die 6-Tonkanal-Ausgänge hat man das Gefühl‚ sich in einer lebendigen Höhle mit beweglichen Wänden und fließendem Wasser zu befinden. In den Show-Abschnitten der Höhle sind alle Beleuchtungskörper einzeln programmierbar, sodass Besuchern, die nicht zum ersten Mal in der Höhle sind, durch die richtige Programmierung  die besten Ausblicke geboten werden. Alle diese Zonen sind so ausgelegt, dass sie von den Höhlenführern mittels einer 8-Knopf-Fernbedienung betrieben werden können. Im Vergleich zu den ersten Wochen der Installationsarbeiten, als die Höhlenführer der neuen Beleuchtung skeptisch gegenüberstanden, freuten sie sich sie nachher umso mehr über die Vielzahl der möglichen Schaltungen und Lichtszenen. In der Belaer Tropfsteinhöhle wurden mehr als 700 LED-Beleuchtungskörper installiert, um dem Besucher ein unvergessliches Erlebnis untertage zu bieten. Mit einer Leistung unter 5 KW zählt die Belaer Höhle mit ihren großartigen Sälen zu den Höhlen mit niedriger Leistungsaufnahme.

Letzteres waren die sichtbaren Aspekte der Infrastruktur für die Höhlenbeleuchtung. Was dem Besucher verborgen bleibt, ist die Technologie hinter all dem, die harte Arbeit der Menschen bei der Kabelverlegung, bei der Einrichtung der Schaltschränke, der Installierung der Lampen an schwer zugänglichen Stellen, der Handläufe über Erdspalten. In der Höhle existieren außerdem zwei Netzwerke: Zum einen das Cave Lighting™ Netzwerk‚ das Funkempfänger‚ Lampen-Steuerungseinheiten und Schaltschränke miteinander verbindet. Bei dem zweiten handelt es sich um ein Glasfasernetzwerk zwischen Schaltschränken und einer zentralen Steuerung außerhalb der Höhle. Das Cave Lighting™ Netzwerk ermöglicht es den Höhlenführen, aktuelle Lichtzonen ein- und auszuschalten und zwischen den Lichtszenen hin und her zu schalten. Für den Fall der Beschädigung oder bei Verlust der Fernbedienung ist diese durch die mit den Schaltpunkten des Netzwerks verbundene Tastensteuerung gesichert. Die Hintergrundbeleuchtung dieser Tasten wurde ausgeschaltet und die Tasten wurden zur besucherpfadabgewandten Seite installiert, um unbeabsichtigtes Drücken zu vermeiden.

5. Sicherheit der Besucher in der Schauhöhle.

Zur Sicherheit der Besucher sind alle Beleuchtungskörper des Besucherpfades mit der USV-Anlage der Schaltschränke verbunden, so dass bei einem Stromausfall für eine Dauer von 30 Sekunden keine völlige Dunkelheit in der Höhle herrscht. Das ist die Zeit, die benötigt wird, den automatisch dieselbetriebenen Stromgenerator zu starten und die normale Funktionsweise wieder herzustellen. Der automatisch dieselbetriebene Stromgenerator hat eine Autonomie von 8 Stunden, so dass die Führungen selbst bei längerem Stromausfall nicht beeinträchtigt werden. Mehr als fünf Besuchergruppen gleichzeitig können die Höhle begehen, ohne die Qualität einer Führung zu beeinträchtigen.

Durch das Glasfasernetzwerk empfängt die zentrale Steuerung Statusmeldungen von jedem Schaltschrank und kann Steuerbefehle zurücksenden. Meldungen, wie Warnungen und/oder Alarme betreffend Sicherungen, USV-Anlage-Status, Batterie-Status, Netzwerkverbindung werden an einem Bedienfeld der zentralen Steuerung angezeigt, so dass die verantwortlichen Personen im Bedarfsfall sofort eingreifen können. Wenn nötig, ist es ebenfalls möglich, von der zentralen Steuerung aus die Beleuchtung in der gesamten Höhle oder in einzelnen Zonen ein-/ auszuschalten. Die Netzwerksteuerung und Schaltschrankautomatik wurde von Phoenix Contact eingebaut und zur Anwendung gebracht.

6. Abschluß.

Nach Beendigung aller Bauarbeiten innerhalb der Höhle bestand eine der letzten Aufgaben der beteiligten Teams darin, die Funktionalität des Beleuchtungssystems in allen möglichen Fällen zu testen. Die Belaer Tropfsteinhöhle ist jetzt bereit, Besucher mit einer neuen Perspektive zu empfangen, nämlich der‚ ihnen unterirdische Wunder zu offenbaren.

Das Cave Lighting™ Team möchte sich hiermit bei allen am Belaer Projekt Beteiligten für die professionelle Arbeit und die erzielten Ergebnisse bedanken.

 

 

Galerie Belianska Höhle ©. Bilder von Szymon Kostka und Adrian Kondacs.